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Gehmeditation: So entschleunigst du wie auf Knopfdruck

Gehmeditation:

So entschleunigst du wie auf Knopfdruck

Meditation bedeutet für dich: hinsetzen, Augen schließen und stillhalten? Muss nicht sein. Bei der Gehmeditation wird Bewegung zur Achtsamkeitsübung. Du gehst – und bist dabei ganz bei dir.

Vom Meditationskissen auf den Weg
Als langjähriger Schüler der Goenka-Tradition war ich viele Stunden Sitzmeditation gewohnt. Um gemeinsam mit meiner Freundin Christine ein Retreat zu machen, suchten wir nach einem konfessionsübergreifenden Angebot. So kamen wir zu Fred von Allmen – und damit auch zur Gehmeditation.

Zunächst fand ich sie eher lästig. Nach langem Sitzen machten sich meine arthrosebedingten Fußschmerzen beim Gehen noch stärker bemerkbar. Warum sollte ich ausgerechnet dann aufstehen und gehen?

Doch ich nahm etwas Wichtiges vom Meditationskissen mit: Gedanken und Körperempfindungen wahrzunehmen, ohne ihnen sofort folgen zu müssen.
Nach dem Retreat begann ich, diese Haltung beim Gehen auszuprobieren. Ich verlangsamte meine Schritte, spürte zunächst meine Füße und später den ganzen Körper. Die Bewegung belebte mich, ohne dass die innere Ruhe verloren ging.

Für mich liegt genau darin die Stärke der Gehmeditation: Die Stille des Sitzens kommt einfach mit in die Bewegung.

Eine alte Praxis neu entdecken

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Gehmeditation ist übrigens keine moderne Wellness-Idee. Sie hat eine lange Tradition in verschiedenen buddhistischen Schulen. Im Satipaṭṭhāna-Sutta gehört das bewusste Gehen zur Körperachtsamkeit. Im Zen wird die Gehmeditation Kinhin genannt und häufig zwischen zwei Sitzmeditationen praktiziert.

Der vietnamesische Zen-Lehrer Thích Nhat Hạnh brachte achtsames Gehen besonders in den Alltag. Dafür braucht es keinen besonderen Meditationsweg. Auch der Weg zur Arbeit oder einfach der Gang in den nächsten Raum kann zu einem Moment der Achtsamkeit werden.

Wie funktioniert Gehmeditation?
Du brauchst dafür weder einen besonderen Ort noch viel Zeit. Geh einfach ein paar Minuten bewusst langsamer als sonst. Spüre deine Füße, wenn sie den Boden berühren. Nimm deinen Atem und deinen Körper wahr. Gedanken dürfen auftauchen – du musst ihnen nicht folgen. Bring deine Aufmerksamkeit einfach immer wieder zum nächsten Schritt zurück. Dabei geht es nicht darum, besonders langsam oder „richtig“ zu gehen. Du musst nichts erreichen. Du gehst einfach, da wo du gerade bist. Ein paar bewusste Schritte auf dem Weg zur Arbeit. Eine Runde durch den Park. Der Weg zur Küche. Oder einfach einmal bewusst durch deine Wohnung gehen. Du musst nicht aus deinem Alltag aussteigen, um zur Ruhe zu kommen. Du kannst die Ruhe einfach mitnehmen.

Zum Schluss: Was sagt die Forschung?

Eine randomisierte Studie zeigte, dass psychisch belastete Menschen nach einem Programm mit achtsamem Gehen weniger Stress berichteten, während eine andere Studie bei chronischen Rückenschmerzen keinen statistisch gesicherten Vorteil für Schmerz oder Stress fand.
Eine Wirkung „auf Knopfdruck“ ist wissenschaftlich also nicht belegt.
Vielleicht geht es deshalb um eine andere Frage: Können wir etwas von der Gelassenheit des Sitzens mitnehmen, wenn wir wieder aufstehen und bewusst losgehen?

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